Nachhaltiges Feiervergnügen
Clubs und Festivals verschleudern Unmengen an Strom, Wasser und CO2. Unsere Beispiele zeigen: das muss nicht sein! Fett Feiern und die Umwelt schonen, das ist kein Widerspruch.
Grüne Messlatte: Green Club Index
Zum Einstieg ein paar ernüchternde Zahlen: Ein Club von durchschnittlicher Größe verbraucht in einem Jahr so viel Strom wie 40 Drei-Personen-Haushalte. Das entspricht einem jährlichen CO2-Ausstoß von knapp 90 Tonnen pro Club. Das ermittelte der Green Club Index (GCI). Aber es gibt Aussicht auf Besserung: Akribisch analysiert das Team hinter GCI, wo CO2 und Co eingespart werden kann. Anschließend entwickeln Energieberater gemeinsam mit der Green Music Initiative Maßnahmen, die zu der Veranstaltung passen und setzten diese auch gleich um. Wie das Pilotprojekt der GCI in Nordrhein-Westfalen zeigt, schont das die Umwelt und das Budget. Dort wirtschaften jetzt sechs Clubs nachhaltig rentabler.
Arte über nachhaltiges Feiern
Strom ertanzen: Sustainable Dance Club
Doch auch anderenorts machen sich Veranstalter Gedanken dazu, wie Partys grüner gefeiert werden können. Vorreiter beim klimafreundlichen Feiern ist der Sustainable Dance Club. Seit 2006 entwickelt das niederländische Team Strategien und Produkte, um Clubs und Festivals grüner zu machen. Im September 2008 eröffneten sie den Club Watt in Rotterdam, um zu illustrieren wie grüne Clubkultur aussehen kann. 2010 schloss der Club Watt seine Türen leider wieder. Doch kein Grund zur Panik! Die Köpfe hinter dem nachhaltigen Tanzboden bleiben uns erhalten. Das Team bietet nun mobil Lösungen an, die temporär, oder dauerhaft in Clubs und bei Veranstaltungen installiert werden, um das Klima z schonen. Prominentestes Konzept des SDC ist der Sustainable Dance Floor. Ein Boden auf dem die Gäste tanzend Strom erzeugen. Mittlerweile lassen sich darauf 35 Watt ertanzen. Ein weiteres Highlight des SDC ist die Drink Water Bar. Für die Produktion und den Transport eines halben Liters Cola werden 167 Liter Wasser benötigt. An der Drink Water Bar hingegen gibt es ausschließlich Leitungswasser. Für Abwechslung sorgen Sirup und zu Eiswürfeln gefrorene Fruchtextrakte. Die Drink Water Bar erspart lange Transportwege und macht Kraneberger zu einem echten Party-Drink.
Wir sind das Kraftwerk: Organic Disco
Am 9.09.2011 wurde in der Centralstation in Darmstadt zum zweiten Mal zur nachhaltigsten Party der Stadt geladen: zur Organic Disco. 2010 holte das Team der Organic Disco das energiespendende Parkett des Sustainable Dance Club erstmals auf deutschen Clubboden. Doch die Organic Disco will noch mehr: In jedem Bereich der Party soll möglichst viel CO2 eingespart werden. Und das fängt bereits bei der Anreise an. Deshalb werden Fahrradfahrer bei der Organic Disco belohnt. Auf dem Fahrradparkplatz werden die Drahtesel geputzt, bekommen die Ketten geölt und die Reifen aufgepumpt. Strom wird in der Organic Disco gespart, indem die konventionelle Light-Show aus bleibt. Visuals und Lichtinstallationen auf LED-Basis ersetzen die konventionelle Lightshow. Den Strom fürs DJ-Pult erstrampeln die Gäste in der Fahrrad-Disco der Morgenwelt Rocks Bühne. Stärkung für müde getanzte und gestrampelte Gäste gibt’s an der vegetarischen Snackbar. Das ist lecker und schont die Umwelt. Selbst das Interieur ist recycelt: Vier Studentinnen haben für die Organic Disco Möbel aus Müll gebaut.
Elektroschrott als Eintrittskarte: ERP und NoMairMusik
Recycling schont die Umwelt, weil durch Wiederverwendung Müllberge gar nicht erst entstehen. Deshalb hat eine gemeinsame Initiative der Europäischen Recycling-Plattform (ERP) und des Fair-Trade Ökolabels NoMajorMusik Mülltrennung zum Anlass ihrer Feten gemacht. Um junge Menschen für Umweltschutz zu sensibilisieren, finden in ganz Europa Recycling-Partys statt. Das Prinzip ist einfach: Die Eintrittskarte ist ein recycelbarer Gegenstand. Am Eingang werfen die Gäste alte Handys, kaputte Toaster und anderen Elektroschrott in dafür bereitgestellte Tonnen. Anschließend amüsieren sich die Gäste auf Konzerten von Künstlern, die das öko-faire Label vertritt.
Hüften statt Moralkeulen schwingen: Melt! Festival
Während ein Club jährlichen so viel Strom verbraucht, wie 40 Drei-Personen-Haushalte, hat der CO2-Fußabdruck eines Festivals die Größe einer Kleinstadt. Anlass genug, um auch Festivals grüner zu gestalten.
Seit 2010 entwickelt das Melt! Festival im Rahmen der Umweltcampagne M!eco gemeinsam mit der Green Music Initiative Ideen und Aktivitäten um das Festival umweltfreundlicher zu gestalten. Auch das Melt! tischt nur noch vegetarische Speisen aus regionalen, ökologischen Produkten auf. Und klar – der Müll wird auch getrennt. Die Anreise von Hamburg mit dem Fahrrad wurde letztes Mal als Radtour organisiert. Die Fahrrad-Disco trat dort erstmals in Aktion. Eine Kooperation aus der 2011 die MorgenMelt! Rocks Tournee entstand. Im Electric Hotel konnten die Party-People dann ihre Handy-Akkus aufladen, indem sie ordentlich in die Pedale traten – denn Fahrräder lieferten den Strom dafür. Indem sie die Hüften, nicht die Moralkeule Schwingen, sensibilisieren Künstler die Festivalbesucher für eins der wichtigsten Themen unserer Zeit: Nachhaltigkeit.
Es geht noch grüner: Øya
Doch der Blick nach Norwegen zeigt: Es geht noch grüner. Das Øya Festival in Oslo ist das grünste Festival Europas. Als solches wurde es mit dem Yourope, dem grünen Festival Award, ausgezeichnet. Ein Fluss, der durch das Festivalgelände fließt, versorgt das gesamte Gelände und alle Bühnen mit Strom. Der Recyclomat recycelt den Müll gleich vor Ort. Und sogar der Treibstoff für die Shuttlebusse auf dem Festvalgelände wird selbst produziert. Wie das geht? Die Kloake, die sich in den Toiletten sammelt, wird zu Biosprit weiterverarbeitet.
All diese Events zeigen: Party-Spaß und Klimaschutz sind kein Widerspruch. Was heute Pionier-Partykultur ist, kann morgen zum Standard werden. Vielleicht ist eines Tages jede Disco eine Organic Disco und jedes Festival eco. Die hier gezogene Party-Bilanz zeigt: Clubs und Festivals bergen ein enormes Klimaschutzpotential, das es zu erschließen gilt.
Schlagwörter // Festival, M!eco, Nachhaltigkeit, Organic Disco, Recycling-Party, Silent Climate Parade, Sustainable Dance Club, Sustainable Dance Floor






Kommentare (2)
[...] glaubt, dass man anders nicht richtig feiern kann, der sollte schnell einmal weiterklicken, denn „Fett Feiern und die Umwelt schonen ist kein Widerspruch“, weiß reverb-Autorin Bebero [...]
[...] Disco rockt! Beispielsweise in Darmstadt. Wenn du mehr erfahren möchtest, schau hier mal nach: reverbmag.de Sharen mit:TwitterFacebookGefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post gefällt. Dieser [...]